
Was darf der freie Hochschulzugang kosten ?
Was darf der freie Hochschulzugang kosten?Kann der freie Hochschulzugang überhaupt etwas kosten? Die Fragestellung generiert zwei
Antworten und setzt dabei eine andere voraus: die Frage nach dem freien Hochschulzugang selbst.
Einerseits gilt es eine Lösung zu finden, wie viel sich die Republik aus makroökonomischer Sicht einen
Hochschulzugang für jedermann kosten lassen darf, wenn man das Ergebnis einer gesteigerten
Anzahl an Studenten mit dem daraus resultierenden Nutzen für den Standort Österreich in Relation
setzt. Andererseits sind es die Maturanten, die, wenn überhaupt in der Lage, sich mit den Kosten für
die Universität auseinander setzen müssen. Es entsteht nicht nur mittelfristig ein Einnahmeausfall
durch das Unterlassen einer Vollzeitbeschäftigung, sondern auch das Risiko, dass das Studium nicht
den gewünschten Erfolg wie etwa ein höheres Einkommen bringt. Sollten hier etwa Alternativen
erwägt werden wie die Wiedereinführung von Studiengebühren, welche man durch Stipendien
kompensieren könnte, um den freien Hochschulzugang de facto sicherzustellen?
Volkswirtschaftlich gibt es bei sehr vielen Studenten Grund genug sie als Kostenposten zu
deklarieren, da sie kaum Mehrwert für den Markt erbringen, noch durch Investition in ihre
Ausbildung die angespannte Situation im Budget entlasten. Im Vergleich zu den längerfristigen
Auswirkungen durch den Lohnsteuerausfall und den direkten sowie indirekten Subventionen an
Studenten wie etwa dem Uni-Budget, der Wohnkosten- und Familienbeihilfe ohne einen monetären
als auch nicht-monetären Nutzen für den Staat, wird klar, dass das Freie am Hochschulzugang sehr
wohl kosten kann. Die Effizienz dieses Bildungsbudget-Wissen-Ergebnis-Konstrukts wird aber
genauso wie die Patentlösung freier Zugang selbst nicht in Frage gestellt. Wie viel darf dieser aber
nun den Studenten kosten? Die Universität für jeden zeichnet sich vor allem durch überfüllte
Massenstudien und unterbelegte Spezialrichtungen aus.
Eine hohe Anzahl an Studienabbrechern in
Verbindung mit einem chronischen Mangel an spezialisierten Absolventen in Schlüsselgebieten der
heimischen Wirtschaft sind Hauptargumente gegen das System. Lösungen wie ein Numerus Clausus
etwa finden wenig Anklang, da der Österreicher sich nicht auf seiner Matura festnageln lassen will.
Ebenso erfordern die verpönten Aufnahmeprüfungen nicht nur ein gewisses Maß an Können,
sondern auch gesteigertes Interesse. Ein ähnlicher Effekt lässt sich durch Studiengebühren
herbeiführen: Die Hemmschwelle ein Studium zu belegen, dessen erfolgreicher Abschluss aufgrund
persönlicher Gegebenheiten wie Desinteresse oder fehlende Fähigkeiten und Eigenschaften in weite
Ferne gerückt wird, steigt dadurch gewaltig. Mit dem Geld wird freilich gewissenhafter umgegangen
als mit den eigenen Versicherungsjahren. Natürlich werden aber auch Begabte und Interessierte aus
schlechter situierten Familien von einem Studium ausgeschlossen. Mit dieser Lösung alleine werden
somit nur finanzstarke Studenten zugelassen. „Der angehende Akademiker nehme also eine große
Portion vom finanziellen Polster von zu Hause mit, blättere im Studienratgeber und gönnt sich in der
Stadt seines Vertrauens einen Schnupperkurs" lautet die Devise für den gewieften Österreicher, mit
der sich gut gegen das steigende Pensionsantrittsalter und der damit verbundenen längeren
Arbeitszeit vorgehen lässt. Um diesem Effekt entgegen zu wirken wäre es durchaus sinnvoll, das
Stipendiumsystem in Österreich auszubauen und treffsicherer zu gestalten.
Somit lassen sich die Problematiken zweier Aspekte auf eine Form des freien Hochschulzuganges
reduzieren. Die einzigen Verlierer hier sind die Studenten, die nicht aufgrund ihrer Leistung
ausscheiden, sondern weil sie kein Stipendium erhalten und diejenigen, die auch bei weniger
ruhmreichem Hochschülerdasein ihr Sparschwein schlachten. Das Freie mit Verpflichtungen (nach
Geldflüssen, Aufnahmeprüfungen etc.) zu verbinden scheint grotesk, doch unter Einbindung eines
ausgeklügelten Fördersystems für ordentliche Studenten wird sicherlich niemandem der
Hochschulzugang verwehrt. Die Frage, wie viel der "freie" Hochschulzugang kosten darf, beantwortet
sich daher von selbst: nichts.
Ihr/Euer Florian Lerchbammer
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