
Frühpension - Gut so, weiter so ?
58 Jahre bei Frauen, 59 Jahre bei Männern. Das ist das tatsächliche Pensionsantrittsalter der „Durchschnitts-Österreicher“. Österreich kann also wirklich stolz von sich sagen, zu den Ländern zu zählen, die europaweit das niedrigste Pensionsantrittsalter vorweisen. „Stolz“ können wir Österreicher somit auch auf die durchschnittlichen fünf Jahre sein, die uns auf den jeweiligen OECD-Durchschnitt des Pensionsantrittsalters fehlen. Der „typische Österreicher“ geht aber nicht nur einige Jahre vor seinen europäischen Berufsgenossen in Pension, sondern er kann sich darüber hinaus auch freuen, dass sein Vaterland auch zu den Topplatzierten zählt, was die Pensionsausgaben angeht – mehr als 12 Prozent des BIP bei Pensionsausgaben sind ja auch nicht von schlechten Eltern.
Doch nicht nur das ohnehin schon niedrige Pensionsantrittsalter sollte uns mit der Zeit Sorge bereiten, sonder auch, oder vor allem, bei dem Thema Frühpensionen sollten unsere Alarmglocken bereits ordentlich läuten.
Wie kann es sein, dass die Zeit, in der man sich in der Pension befindet immer länger wird, und die Zeit, die man am Arbeitsplatz verbringt immer kürzer und kürzer wird?
Warum werden Arbeitnehmer immer öfters regelrecht in die Frühpension „abgeschoben“?
Wie kann man den Österreicher/die Österreicherin dazu motivieren, länger im Arbeitsleben zu bleiben und zu bleiben wollen?
Gut so, weiter so?
In Österreich leben viele immer noch nach dem Motto „einmal in diesem Job, immer in diesem Job“. Der Gedanke an einen Arbeitsplatzwechsel und die Umsetzung eines solchen Vorhabens kosten oft schon einiges an Überwindung. Eine komplette berufliche Neuorientierung, also der Wechsel vom einen Berufsfeld ins andere, erscheint oft als beinahe unmöglich. Doch gerade solche Gedanken sollte unsere Gesellschaft auch in Erwägung ziehen, ist eine solche Denkweise in vielen anderen Ländern bereits alltäglich und der Job wird auch mit 45+ noch problemlos gewechselt. Um eine solche Jobflexibilität auch in Österreich zu gewährleisten, müssen natürlich auch Firmen bereit sein, „erfahrenere Neu“ aufzunehmen. Nun könnte natürlich die Frage gestellt werden: „Wer stellt schon einen 45(+) Jährigen neu in seiner Firma ein, wen es gut sein kann, das dieser Arbeitnehmer gerade einmal sieben Jahre in der Firma bleibt und sich dann in die Pension verabschiedet?“. Womit das Thema des tatsächlichen und des gesetzlichen Pensionsantrittsalters wieder in den Vordergrund rückt. Es muss sich ja immerhin auch für den Arbeitgeber lohnen, wenn er einen Job neu vergibt.
Abschiebung innerhalb Österreichs? Oh ja!
Die Gründe und Anlässe, warum nun ein Mann oder eine Frau in Frühpension geht, sind verschieden, doch darf es nicht dazu kommen, dass man jeden in Frühpension schickt, mit dem man in der Firma im Moment nichts mehr anfangen kann, weil er aus unterschiedlichen Gründen arbeitsunfähig ist. Oft ist ein Wiedereinstieg ins Berufsleben möglich und auch notwendig, wirkt sich ein ständiges „Nichts-Tun“ und das Fehlen einer Aufgabe im Leben nicht unbedingt gesundheitsfördernd auf das weitere Leben aus. Die Einstellung „ab in die Frühpension, mit dem Arbeitsunfähigen, und passt schon – nur keine Umstände und schon gar keine Extrawürstl“ darf nicht weiterhin so hoch gehalten werden. Viel öfter als man glaubt ist die Wiederaufnahme des Berufes (wenn auch nicht in derselben Firma) möglich, wenn der Arbeitgeber bereit ist, einen, womöglich auch schon erfahreneren, Mitarbeiter einzustellen.
„Zuckerl“ für die Fleißigen?
Gesetzliches Antrittsalter hin, gesetzliches Antrittsalter her – ohne irgendwelche „Zuckerl“ für Längerarbeitende hat man vermutlich wenig Chancen, das faktische Pensionsantrittsalter zu heben – klar, warum sollte jemand länger arbeiten und dafür genau so viel „herausbekommen“ wie ein Frühpensionist. Ein Bonus für längeres Arbeiten und höhere Abschläge für Frühpension-Inanspruchnehmer sind daher nur gerechtfertigt und auf jeden Fall forderbar.
Einen schönen, sorgenfreien Lebensabend hat sich natürlich ein jeder zweifelsohne verdient, das steht außer Frage. Dass sich der Zeitraum des „Pensionisten-Daseins“, jedoch nicht auf den „Abend“ beschränkt, sondern sich auf den „Lebensnachmittag“, oder gar auf den „Lebensmittag“ ausdehnt und somit auf Kosten der nächsten, der jüngeren, unserer Generation geht, ist weder wirtschaftlich sinnvoll noch generationengerecht!
Eure/Ihre
BARBARA PIRKER
